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Papa Roach CD Kritiken Getting Away With Murder
  Getting Away With Murder

CDstarts
Freenet
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Rhein-Main


 

Cdstarts.de - Wertung: 6/10

Ohne sich in leeren Businessphrasen zu verheddern ist klar: Mit ihrem dritten Major-Album „Getting Away With Murder“ gilt es für Papa Roach zu beweisen, dass der Erfolg von „Infest“ (2000) keine Eintagsfliege und der kommerzielle Flop des anspruchsvollen Nachfolgers „LoveHateTragedy“ (2002) ein einmaliger Ausrutscher war. Ansonsten dürften die Tage der Nu-Rock-Pioniere gezählt sein, denn das Geschäft ist in den letzten Jahren immer härter geworden. Nicht profitable Künstler werden konsequent vor die Tür gesetzt, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen - egal, wie viel Platten sie in der Vergangenheit verkauft haben. Deshalb dürfte auch der Streit von Papa Roach mit ihrer Plattenfirma nicht besonders förderlich gewesen sein, die die Veröffentlichung des fertigen Albums immer weiter hinausschob. Doch jetzt ist es endlich soweit und viele Millionen „Infest“-Käufer lauern auf adäquaten Nachschub des Quartetts aus Kalifornien.

Das Songmaterial für den dritten Papa Roach Silberling hat die Band weitgehend während der „LoveHateTragedy“-Tour geschrieben. Eine Methode, die von vielen Künstlern zwar nicht geliebt, aber aus Termindruck immer wieder praktiziert wird. Daheim in Sacramento wurden die Song-Ideen dann in Demos umgewandelt, bis man rund 30 Songs auf Lager hatte. Doch bis es mit Produzent Howard Benson (Blindside, Motörhead, P.O.D., Hoobastank, Cold) ins Studio ging, hatten Papa Roach die Songauswahl auf 12 Stücke eingedampft, die sie soweit arrangiert und vorproduziert hatten, dass es mit den Aufnahmen recht flott von der Hand gehen sollte. Dabei kam es allerdings vor, dass einzelne Tracks so oft komplett umgekrempelt wurden, bis sie ein völlig anderes Gesicht hatten. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Denn Studiozeit ist extrem teuer und hat schon viele Gruppen in den Wahnsinn getrieben.

Auch wenn die Rap-Parts im Hause Papa Roach inzwischen in den Hintergrund getreten, bzw. ganz verschwunden sind, ist das Nu-Rock-Feeling immer noch allgegenwärtig. Schließlich kommt es nicht nur auf einen (verzichtbaren) Pseudo-Rap im Mittelteil, sondern auf die Kompositionstechnik an. Und diese verrät ganz eindeutig die Ursprünge von Papa Roach. So auch auf „Getting Away With Murder“. Doch macht es Sinn, eine Band deshalb zu verurteilen und ein für alle Mal abzustempeln? Soll man einer Rockband tatsächlich ihren Erfolg vorwerfen und sie deshalb lapidar als Mainstream abtun? Ist es nicht viel mehr so, dass die Grenzen zwischen Mainstream- und Independent-Act immer mehr verwischen, angesichts miserabler Verkaufszahlen, die dafür sorgen, dass man bereits mit wenigen tausend verkauften CDs in die Media Control Charts einzieht? Ganz offensichtlich zündet diese Argumentation nicht mehr 100%ig. Also geben wir Papa Roach eine neue Chance, sich als Rockband zu beweisen.

Es mag klischeehaft klingen, aber einen Reifeprozess muss man den vier Jungs schon attestieren. Und das nicht nur, weil sie auf ihrem neuen Werk erstmalig politische Themen aufgreifen. So verurteilt „Tyranny of normality“ korrupte Regierungen und „Blanket of fear“ behandelt die paranoide Angst der amerikanischen Bevölkerung vor Krieg und Terrorismus. Nein, auch musikalisch hat sich einiges getan. Jerry Horton (Gitarre), Tobin Esperance (Bass), Dave Bruckner (Drums) und Jacoby Shaddix (Vocals) sind auf dem Weg zu einer klassischen Hardrockband, die mit sicherer Hand und fetter Produktion für Kurzweil bei Genrefans sorgt. Dass dies nicht gleich als Meisterwerk durchgeht, hat aber auch seine Gründe.

Papa Roach überraschen zwar mit staubtrockenen Rockern mit AC/DC-Riffing („Be free“), zielen mit wohlkalkulierten Hits auf die Charts („Scars“), zelebrieren rapfreien New-Metal aus der ersten Rock-Liga („Done with you“) und überzeugen mit meisterlichen Refrains („Not listening“), doch leider tummeln sich auf „Getting Away With Murder“ auch einige Stücke, die lediglich durch wenig abwechslungsreichen Gleichklang auffallen. Füllmaterial, das bei 38 Minuten Spielzeit natürlich unangenehm hervorsticht. Verteufeln sollte man Papa Roach für ihren Major-Drittling aber nicht. Ein „Infest 2004“ ist nicht in Sicht. Dafür bietet das Album überwiegend starkes Songwriting, das durch Melodien, harte Riffs und einen markant shoutenden Coby Dick, sorry, Jacoby Shaddix im Gehör hängen bleibt. Damit kann man durchaus zufrieden sein.

Anspieltipps:
*
Scars
*
Be free
*
Take me
*
Not listening
*
Done with you

Geschrieben von Matthias Reichel

 

Freenet.de - Wertung: 3/5


Objektiv überraschen können Papa Roach mit ihrem sechsten Longplayer kaum mehr. Müssen sie auch gar nicht. Schließlich weiß der Alternativerock-Vierer spätestens seit dem Erfolgsalbum "Infest" wohin der Hase läuft, zieht sein Ding durch und trachtet höchstens danach, den Bandsound zu perfektionieren. Papa Roach verlassen sich dabei auf die Stärken, die bisher den Erfolg garantierten: griffige Songs mit schnittig, tief bratzenden Riffs sowie energetische Vocals. Hymnisch eingängige Mitgröl-Refrains ("Take Me") liegen Jacoby Shaddix einfach. Die Nordkalifornier liefern so reichlich Stoff für Fans anspruchsvoller Mosh-Mucke. Ihren melodiösen Metal- und Punk-infizierten Rocksound präsentieren Papa Roachs im Oktober auch live.

Eberhard Dobler © 2004 laut.de

 

ibofox Kritik

Papa Roach schwören ihrer Rap-Rock-Vergangenheit endgültig ab. Auf Getting Away With Murder konzentrieren sie sich ganz auf das, was sie am besten beherrschen: straighte Metal-Nummern ohne unnötige Schlenker und Ausschmückungen.

Alle zwölf Songs begnügen sich mit einer Spielzeit von zweieinhalb bis dreieinhalb Minuten und kommen ohne Umschweife auf den Punkt. Eingangs-Riff, Strophe, Refrain - bamm! Auf die Hip-Hop-Schlagseite des megaerfolgreichen Infest-Albums verzichtet man ebenso wie auf die stilistische Vielseitigkeit des Nachfolgers Lovehatetragedy. Der Sache schadet das aber nicht, denn die neue Reduziertheit steht den Amis gut zu Gesicht. Kompakte, fast schon punkig-rotzige Smasher wie 'Blood', 'Not Listening' , 'Getting Away With Murder' oder 'Scars' sind nicht weniger hitverdächtig als der größte Papa-Roach-Hit 'Last Resort' und gefallen mit unverkrampftem Zusammenspiel von treibenden Power-Riffs und radiotauglichen Gesangsmelodien. Den Vorwurf der kommerziellen Anbiederung kann man Jacoby Shaddix & Co. allerdings nicht machen, denn sie verzichten weitestgehend auf trendige Hüpf-Passagen und präsentieren sich als ernst zu nehmende, gereifte Heavy-Rock-Truppe, die jenseits kurzlebiger Modeerscheinungen ihren ganz eigenen Stil pflegt.

Michael Rensen

 

Rhein-Main Kritik

 Es ist immer wieder erfrischend und überraschend, was «Papa Roach» auf ihren Alben zu bieten haben. Auf ihrem neuesten Streich, der den vielsagenden Titel «Getting Away With Murder» trägt, ist das nicht anders.

Die Fans dürfen sich zunächst beruhigen: Jacoby Shaddix und seine Mannen rocken noch genau so herzhaft wie zu Beginn ihrer Karriere. Sie hatten sich auf dem Vorgängeralbum «Lovehatetragedy» vom Image der Band für gequälte Seelen befreit. Nun geben sie die Stars, die langsam aber sicher schon fast philosophische Gedanken entwickeln, und es muss gesagt werden, dass die neue Ausrichtung der Gruppe dem Quartett gut steht. Denn sie entfernen sich weiter vom wilden Gekreische hin zu einer Band, die nun eine Souveränität ausstrahlt, ohne dabei ihre Grundausrichtung zu verlieren.

Allerdings gibt es mit «Scars» einen Song auf der Scheibe, der voll radiotauglich ist. Ob der harte Kern der Angängerschaft das verzeiht? Auf dem letzten Stück («Do Or Die») spendet Shaddix gar Lebenshilfe. Es sei nie zu spät, das Leben zu leben, deklariert er, auch wenn es etwas platt klingen mag.

Zumindest bleibt «Scars» das einzige ruhigere, kaum von verzerrten Gitarren bestimmte Stück auf dem Album. Gleich vom ersten Stück («Blood») an beherrschen Klampfen und Drums das Geschehen, wobei Shaddix zu Beginn des Songs in einen sanften Gesang einstimmt. Auch bei den anderen Liedern besinnt er sich auf das Singen, was den Stücken durchweg gut tut. Die Kollegen machen dort weiter, wo die anderen beiden Alben aufhörten: Rohe und doch kontrollierte Melodien wechseln sich wie gehabt ab.

Trotzdem muss der Hörer nun besser hinhören. So schiebt das Quartett auf «Stop Looking Start Seeing» zwischendurch einen raffinierten Rhythmuswechsel ein. Dieses Element wiederholt es auf dem vorletzten Stück «Tyranny Of Normality». Dennoch ändert sich an der Geradlinigkeit des Werks nicht viel. «Papa Roach» legen mit Liedern wie «Take Me», «Be Free» oder «Do Or Die» immer wieder Songs nach, die von der Struktur eher simpel sind, trotzdem die Dynamik versprühen, die die Songs der Band zu früheren Zeiten ausmachten.

Und die erste Single des Albums, die den Albumtitel trägt, ist einfach ein gelungenes Stück Rock. Ein weiterer Anspieltipp ist das flotte «Done With You», eine Abrechnung an eine verblichene Liebe, das der Grundausrichtung der früheren Songs folgt. Klar kommt es vor, dass Shaddix manchmal seine ungebändigte Wut in stimmliche Eskapaden packt, so wie zwischendurch auf diesem Lied, trotzdem hält er sich im Grunde vornehm zurück. Diese Zurückhaltung bestimmt auch noch große Teile der Nummer «Sometimes», ehe «Papa Roach» es im Refrain doch wieder krachen lassen.

Mit «Getting Away With Murder» hat die Gruppe jedenfalls etwas geschafft, das nicht vielen Bands vorbestimmt ist: Sie können ihren Platz im Rock-Himmel zumindest halten und haben bewiesen, dass sie ihre Kreativität mit den ersten beiden Platten nicht aufgebraucht haben. Das Album markiert die nächste Karriere-Stufe des Quartetts. So wie es aussieht, werden noch zahlreiche folgen.

Mike Marklove, 15.09.2004

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